Liebe und Arbeit als Sinn des Lebens
Von Stefan Klemens, geschrieben am 03. Juli 2009
In diesem Artikel möchte ich eine These von mir vorstellen, die Liebe und Arbeit, Sinn des Lebens sowie Frauen und Männer in einem Zusammenhang bringt. Wenn wir die Geschichte und unsere eigenen Erfahrungen betrachten, sehen wir, dass viele Männer sich einer Tätigkeit widmen, einen Beruf ausüben, ein Kunstwerk herstellen oder was auch immer tun. Frauen waren traditionell mit der Erziehung und Versorgung der Kinder beschäftigt und viele sehen die Liebe zu einem Partner und Beziehungen zu anderen Menschen als wichtiger an als Arbeit.
Notwendige Vereinfachungen
Dies trifft natürlich nicht auf alle Männer und Frauen zu, die heutige Situation ist differenzierter und sowohl Männer streben nach Liebe und Partnerschaft als auch Frauen möchten eine Arbeitstätigkeit ausüben, die sie erfüllt. Die starke Vereinfachung dient jedoch dazu, um meine folgenden Ausführungen zu untermauern. Schließlich könnte auch die Frage gestellt werden, wofür Sie sich entscheiden würden, wenn Sie wählen müssten. Was wäre Ihnen wichtiger? Die Liebe oder die Arbeit? In ähnlicher Form hat dies Jürgen von der Lippe in seiner Show "Geld oder Liebe?" getan (Geld wäre hier das Ergebnis einer Arbeitstätigkeit).
Liebe oder Arbeit?
Genau diese Frage stellt sich auch im wirklichen Leben. Nur wir beantworten diese Frage meist nicht bewusst oder wir beantworten diese durch unser Verhalten. Wer viel arbeitet, wer Erfolg im Beruf als das Wesentliche im Leben ansieht und alles oder fast alles dafür tut, setzt eine klare Priorität im Leben. Und dies hat wirkliche Auswirkungen auf unser Leben. Eine wichtige Folge ist die, dass wir wenig Zeit haben, einen passenden Partner zu finden. Und dass wir eine Partnerschaft vielleicht ausschließlich unter Kosten-Nutzen-Aspekten sehen. Liebe und Partnerschaft brauchen jedoch Zeit. Zeit, um Vertrauen zu entwickeln, Zeit um sich zu öffnen, Zeit um sich kennen zu lernen. Wie in der bekannten Fabel des kleinen Prinzen und dem Fuchs.
Der Sinn des Lebens: Etwas zu hinterlassen?
Wie hängt dies nun mit dem Sinn des Lebens zusammen? Der Sinn des Lebens ist der, dem wir ihm geben. So eine meiner Annahmen und eine Aussage, glaube ich, von Erich Fromm. Da wir alle wissen, dass wir irgendwann, später oder früher, sterben werden, haben viele Menschen das Bedürfnis, etwas zu hinterlassen. Etwas, das unserem Leben einen Sinn gibt. Und diese "Hinterlassen" kann eigentliche nur auf zweierlei Arten geschehen: Zum einen durch die Beziehungen, die wir eingehen ("in den Herzen von Menschen weiterleben") oder durch (besondere) Leistungen, die wir vollbringen (beruflicher Erfolg und Karriere, Haus bauen und Baum pflanzen, Beststeller schreiben, usw.).
Frauen und Männer
Und hier kommen wir wieder zu den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden zwischen Frauen und Männern. Männer können keine Kinder bekommen. Dies ist eine biologische Tatsache. Männer können somit kein Leben schenken. Zu mindestens nicht so, wie Frauen dies können, durch die Geburt eines Kindes. Natürlich gibt es ohne Männer keine Kinder. Das wissen wir. Doch die körperliche Erfahrung einer Geburt erlebt kein Mann. Beteiligt er sich aktiv am Erleben der Schwangerschaft und ist er bei der Geburt dabei, erhöht sich seine Bindung und sein Erfahrungsbereich. Frauen hingegen können Kinder gebären. Sie können Leben schenken.
Frauen und Kinder, Männer und Arbeit?
Diese grundsätzliche Tatsache ist selbstverständlich nicht neu. Viele Kulturen haben diese zentrale Rolle der Frau in höchster Weise anerkannt, ihre Fruchtbarkeit betont und häufig auch ihnen die Macht in der Gesellschaft übertragen (deutlich mehr Kulturen betonen die besondere Stellung der Frau). Diese Unmöglichkeit für den Mann, Leben direkt zu schenken, ist meiner Meinung nach ein wichtiger Grund, warum er auf andere Weise dieser Welt etwas hinterlassen möchte und seine Arbeitstätigkeit häufig in den Vordergrund stellt. Natürlich muss die Familie auch ernährt werden (dabei half und hilft die Frau jedoch stets mit großem Einsatz mit), doch dies ist nicht unbedingt ein Widerspruch.
Frauen und Männer, Kinder und Arbeit?
Diese Vereinfachung, diese Zuspitzung, war notwendig, um meinen Grundgedanken herauszuarbeiten. In Wirklichkeit ist die Lage differenzierter. Viele Männer beteiligen sich an Beziehungen und in der Partnerschaft und erziehen Kinder. Und, wenn man Umfragen glaubt, möchten dies auch immer mehr Männer. Für Frauen haben sich verglichen mit früheren Jahrzehnten (in der westlichen Welt) viele neue Möglichkeiten erschlossen, beruflich erfolgreich zu sein.
Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie
Manche Frauen befinden sich hier nun jedoch in einer Lage, in der sie glauben, zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen oder in der sie in jungen Jahren die Karriere an erster Stelle setzen. Der so oft zitierte Begriff der "Work-Life-Balance" oder die Frage der Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie weist auf diese Schwierigkeit hin. Häufig wird hier dann gefordert, die Männer sollten mehr tun und die Frau mehr unterstützen.
Berufliche Anforderungen
In dieser Situation sind jedoch die beruflichen Anforderungen (für Frauen und Männer) zu berücksichtigen, um hier eine sinnlose Diskussion um Schuld zu vermeiden. Auf diesen Punkt werde ich hier nicht näher eingehen, da viele die hohen Anforderungen tagtäglich selbst erfahren und eine Reihe von Studien hierzu deutliche Belege gefunden haben (mehr Informationen finden Sie auf www.stefan-klemens.de).
Schlussfolgerung I: Liebe und Arbeit als gemeinsamer Sinn
Aus den Ausführungen ergeben sich für mich mehrere Schlussfolgerungen. Der Sinn des Lebens besteht nicht in einer Entweder-oder-Frage (diese sind selten hilfreich, da sie den Blick auf Alternativen verstellen und verneinen, dass es noch
andere Wahlmöglichkeiten gibt, die außerhalb der Frage liegen). Der Sinn des
Leben, ist der, dem wir ihm geben: Oder auch nicht, dies bleibt jedem selbst
überlassen. Jedoch müssen wir uns entscheiden: Die einzige Freiheit die wir
nicht haben, ist es, nicht zu entscheiden, sagte glaube ich einmal Erich Fromm. Ob
wir also Liebe, Arbeit oder Liebe und Arbeit als Sinn unseres Lebens begreifen, müssen wir entscheiden. Und uns dann entsprechend verhalten.
Schlussfolgerung II: Liebe zuerst, dann die Arbeit
Entscheiden wir uns für den Sinn des Lebens, zu lieben und zu arbeiten, dann können wir dies nicht alleine tun. Wir benötigen einen Partner dafür. Einen Mann oder eine Frau. Durch eine gemeinsames Kind wird diese Bindung verstärkt (sicher, die Zufriedenheit der Beziehung kann hierunter in Zeiten leiden, betrachten wir jedoch einmal die gesamte Lebensspanne mit Kindern bis ins Hohe Alter und die möglichen Folgen, wie Enkelkinder). Wenn wir uns für dieses Ziel, diesen Sinn des Lebens entscheiden, müssen wir vielleicht Kompromisse eingehen. Wir wissen, dass die höchste Lebenszufriedenheit von Menschen berichtet wird, die in einer langfristigen stabilen Beziehung stehen (natürlich mit Höhen und Tiefen). Gemeinsam als Frau und Mann sind wir stark - und die kleinen Unterschiede erhalten das Knistern und die Spannung in der Beziehung. Die Unterschiede sollten jedoch nicht zu groß werden! Also Augen auf, Mut haben und Probleme klären!
Wie kann ich beides erreichen? Wie löse ich Probleme?
Dies bedeutet, dass "Partnerschaft und Liebe" vor dem Sinn "Arbeit" kommen und die Bereitschaft und den Mut, dies zu wollen. Nicht blindlings, sondern durch wiederholte Treffen, in denen man den anderen kennenlernt und gegenseitiges Vertrauen gewinnt und später indem man etwas für die Liebe und Beziehung tut! Und indem man die Arbeit zwar als wichtigen Faktor ansieht, der viele positive Wirkungen hat (wie die jeder weißt und wie die Erkenntnisse der Arbeitspsychologie dies eindrucksvoll zeigen), der jedoch im Zweifelsfalle an zweiter Stelle kommt.
Die Erfolgsfaktoren sind bekannt
Die Bedingungen für einen erfolgreichen gemeinsamen Lebensweg sind bekannt, um auch bei Krisen und Problemen nicht aufzugeben, sondern durch diese gemeinsam zu wachsen und sich gemeinsam weiter zu entwickeln. Dies ist kein einfacher oder leichter Weg, sonder erfordert von beiden Partnern Anstrengung und Mühe! Die Scheidungsraten zeigen, dass rund ein Drittel diese Ausdauer nicht hat (aus welchen Gründen auch immer). Zwei Drittel der Paare geben jedoch nicht auf und sind (wie Befragungen zeigen) im hohen Alter dankbar, dass beide etwas getan haben, um zusammen zu bleiben.
Positiv: Die Mehrheit der Beziehungen hält
Positiv ist also, dass eine deutliche Mehrheit von zwei Dritteln der Paare dies schafft. Wie dies passiert und welche Bedingungen für eine stabile Beziehung sorgen, ist gut untersucht. Ein zentrales Merkmal und ein Hinweis darauf, ob eine Beziehung langfristig halten kann, ist die Art des Streitverhaltens bzw. die Art Konflikte zu lösen. Ein US-Psychologe meint herausgefunden zu haben (John Gottman), dass er durch die Beobachtung weniger Minuten eines Konflikts zwischen einem Paar eine gute Prognose abgeben kann, ob dieses Paar noch in einigen Jahren zusammen ist. Ich selbst habe mich vor einiger Zeit mal gefragt, welche der verheirateten Paare in meinem Bekanntenkreis sich irgendwann scheiden lassen. Allein jedoch aufgrund der statistischen Zahl von einem Drittel, da ich das Kommunikations- besser: Streitverhalten meist nicht genau mitbekomme, um eine vernünftige Prognose zu machen und auch nicht über die hohe Expertise
eines John Gottman verfüge.
Statistik, Wahrscheinlichkeit und Bauchgefühl für das eigene Handeln
Diese Statistiken und die daraus abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten sind übrigens in vielen Bereichen des Lebens und bei wichtigen Entscheidungen (Gesundheit und Krankheiten, Prävention und Behandlung, Beruf und Karriere, Arbeit und Wirtschaft) ein hilfreicher Ansatz, um Möglichkeiten und Risiken für das eigene Leben einzuschätzen. In ausgefeilter Weise machen das die Versicherungsmathematiker und wie sie wissen, verdienen Versicherungen immer, da sie mögliche Schäden so genau wie möglich kalkulieren. Und Ihnen kann eine Entscheidung mit Ihrem "Kopf" und Ihrem "Bauch" (!) Ihnen helfen zu wissen, wann sich etwas lohnt und wann man es lieber bleiben lassen sollte. Mehr hierzu finden Sie bei Gerd Gigerenzer (siehe Literatur) und in einer Anzahl weiterer guter Bücher, besonders bei H.-H. Dubben / H.-P. Beck-Bornholdt und Walter Krämer. Als ausgebildeter Methodiker und Empiriker verwende und bewerte ich solche Erkenntnisse und Forschungen, um sie für meine Beratung und mein Coaching zu nutzen.
Hinweise für erfolgreiche Beziehungen
Einige wichtige Hinweise für erfolgreiche (echte und dauerhafte) Beziehungen unterschiedlicher Art im Beruf und Privatleben (Paare, Freunde, Kollegen, Führung, etc.) finden Sie bei meinen Hinweise zu Mehr Lebensqualität oder besonders auch im Buch von Schwäbisch und Siems (genaue Angaben unter Literatur). Dabei finden sich ähnliche Merkmale in allen Beziehungsformen, wenn gleich natürlich in unterschiedlicher Intensität. Auch eine Beratung oder ein Coaching kann sinnvoll sein, um individuelle Anliegen und Lebensfragen zum Bereich Arbeit und / oder Liebe zu lösen.
Literaturtipps
Erich Fromm (2003). Die Kunst des Liebens. München: Ullstein.
Lutz Schwäbisch und Martin Siems (1974). Anleitung zum sozialen Lernen für
Paare, Gruppen und Erzieher. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
Marshall Rosenberg (2007). Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des
Lebens. Paderborn: Junfermann.
Gerd Gigerenzer (2008). Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten
und die Macht der Intuition. München: Goldmann.
Kommentare, Links und weitere Empfehlungen finden Sie unter Literatur.
Hinweise für Presse- und Medienvertreter
Gerne können Sie einzelne Aussagen dieses Artikels in Ihrem Medium zitieren. Bitte senden Sie mir dann ein Belegexemplar. Für eine anderweitige Verwendung (längere Zitate), Fragen oder einen eigenen Beitrag in Ihrem Medium (z.B. Artikel, Interview) kontaktieren Sie bitte Stefan Klemens.